Durch die aktuelle Conrona Pandemie ist die Schule auch in Notzingen seit Wochen geschlossen. Dies ist in der nun über 400-jährigen Geschichte der Notzinger Schule ein besonderer Vorgang.

Bis 1934 war in Notzingen eine zweiklassige Schule mit Unter und Oberklasse, in Wellingen eine einklassige Schule für sieben Jahrgänge. Ab 1934 wurden beide Schulen Notzingen und Wellingen rechtlich zusammengelegt. Wobei in Notzinger Schulräume im Rathaus sechs Jahrgänge unterrichtet wurden und im Wellinger Schulhaus zwei Jahrgänge. Die Wellinger Schule wurde damals spaßhaft als „Oberschule“ bezeichnet. Nicht wegen dem evtl. höheren Bildungsabschluss sondern der geografisch höheren Lage gegenüber den Schulräumen im Notzinger Rathaus. Die Sitzordnung zu Anfang des Schuljahres begann nach dem Geburtstag. Im Lauf des Schuljahres wurde dann umgesetzt nach Begabung und Leistung. Diese Sitzordnung sollte als Ansporn zum Lernen dienen, sorgte aber auch manchmal für Streitigkeiten unter den Kindern und auch unter den Eltern. Die Schulzeit brachte den Schülern damals aber auch einige Verpflichtungen. Das Läuten der Kirchenglocken gehörte dazu. Als Schulhof wurde der Platz hinter und um die Kirche genutzt. Aber auch die Straßen rings um damalige Schulhaus. Autoverkehr war damals eher selten. Wer Durst hatte, ging über die Straße und nahm einen Schluck kühlen Wassers aus „´sKiesers Bronna“ - einem Pumpbrunnen vor einem Nachbarhaus.
Während des zweiten Weltkrieges herrschte aufgrund von Wehrdienstpflichten ein häufiger Wechsel der Lehrer. Nach Kriegsende wurden durch die amerikanische Militärregierung sämtliche Lehrer außer Dienst genommen und der Schulbetrieb ruhte in Notzingen bis zum 1.Oktober 1945. (Vergleiche Gemeindeblatt vom 30.04.2020) Mit Schulhelfern wurde der Schulbetrieb aufgenommen. Im Lauf der Folgejahre erteilte dann die Militärregierung, nach erfolgter politischer Prüfung, den „Letter of employment“. Dies war die neue Berufslizenz für die damaligen Lehrer.
Nach dem zweiten Weltkrieg tauchten große Probleme für die Notzinger Schule auf. Durch das hereinströmen vieler Heimatvertriebenen kletterte die Schülerzahl auf eine nie gekannte Höhe. So zählte die Schule im Jahr 1949 insgesamt 250 Schulkinder. Dafür standen nur zwei große, ein mittleres und ein kleiner Schulraum zur Verfügung.

Als Zwischenlösung der drängenden Schulraumfrage wurde 1951 im Wellinger Schulhaus in den Scheunenteil ein zweiter Unterrichtsraum im 1.OG eingebaut. In das Erdgeschoss an der Ostseite wurden zwei Garagen eingerichet für die Geräte der Wellinger Feuerwehr. In der dritten Garage war die Pflanzenschutz-Spritze des Obstbauvereins für Felder und Obstbaum-Behandlung untergebracht. Weiterhin die Ackerwalzen der Gemeinde, die von den örtlichen Landwirten genutzt werden konnten. Nach Auflösung des Wellinger Schulgebäudes ab Ende 1956 wurde im Obergeschoss eine Lehrerwohnung eingerichtet. Weiterhin nutzte die Feuerwehr die Garagen für die Löschgeräte und den Schulraum an der Ostseite für Ihre Ausbildung bis zum Ende des Jahres 1976. (Heute steht dort der Saal des Bürgerhauses)

Das ehemalige Schulhaus in Wellingen. Rechts waren Schulräume und später die Lehrerwohnung untergebracht. Weiterhin das Ratszimmer und ein Raum für die evangelische Kirche. Im Linken Teil im Erdgeschoß die Garagen der Wellinger Feuerwehr und im Obergeschoss ein Schulraum. Heute steht an diesem Platz das Bürgerhaus.

Um das Schulraumproblem längerfristig zu lösen, wurde vom Gemeinderat im Jahr 1955 beschlossen, ein neues Schul- und Kindergartengebäude im Gewann Fürhaupt zu errichten. Bereits am 20.Oktober 1956 konnten die Gebäude eingeweiht werden. Die Kosten waren bei 311.038,--DM(Deutsche Mark). Für die Finanzierung erfolgte auch ein außerordentlicher Holzhieb im Gemeindewald von 1.000 Festmetern. Dies erbrachte dann stolze 90.000,--DM Erlös. Die neuen Gebäude brachten viele Erleichterungen und Verbesserungen für die Schüler und Schülerinnen wie auch für das Lehrpersonal. Räumlichkeiten, Licht, Heizung, Sanitäre Einrichtungen aber auch ein abgeschlossener Schulhof sorgte für zeitgemäße Bedingungen. Ergänzt wurde dies im Jahr 1961 mit einer Turn- und Gemeindehalle direkt neben der Schule. Früher musste der Turnunterricht im Freien oder in der ehemaligen Kelter durchgeführt werden.

Mitte der 1960er Jahre wurde durch ein Landesgesetz die Hauptschule für die Klassen 5 – 9 eingeführt. Dieses Gesetz brachte den Vorteil der reinen Jahrgangsklassen.1950 hatten wir in unserer Gemeinde nur 4 Klassen für die ganze Schule. Jede Klasse umfasste zwei Jahrgänge und wurde von einem Lehrer geführt. Bei Schülerzahlen von 220 – 250 Kindern ergab es einen Klassendurchschnitt von 50 – 60 Schülern.
Zur Einrichtung einer Hauptschule in Notzingen mit den Klassen 5 – 9 gab es aber seit den 1960er Jahren nicht ausreichend Schüler um komplette Klasse bilden zu können. Deshalb wurde in Notzingen keine Hauptschule gegründet, sondern im Jahr 1967 die Schüler in die Kirchheimer Alleenschule eingegliedert. (heutige steht am Platz der Alleenschule die Stadtbücherei) Natürlich bestand auch die Möglichkeit weitergehende Schulen in Kirchheim zu besuchen. Dies wurde in den 1960er Jahren jedoch nur vereinzelt genützt. Seit Herbst 1973 wurde die Hauptschule in die Eduard-Mörike-Schule im Stadtteil Ötlingen verlegt. Ein Schulbus übernahm die Beförderung der Schüler nach Kirchheim bzw. nach Ötlingen. Der Chronist schrieb im Jahr 1977 weiter: „ Die Transportverhältnisse sind leider nicht immer befriedigend.“ Es gibt Dinge, die sind leider bis heute noch nicht gelöst.
Da in Notzingen seit 1967 nur noch Grundschule für die Klassen 1 – 4 besteht, reichten die Räume für viele Jahre aus. Als im neuen Baugebiet Brühl ein Kindergarten erstellt war, konnte der neben der Schule gebaute Kindergarten, ab Ende 1975 durch die Grundschule für Fachunterricht Textiles Werken u.a. benützt werden. Im Jahr 1982 erfolgte ein Um- und Anbau an den ehemaligen Kindergarten. Damit entstanden weitere Schulräume im Erdgeschoss und in einem zusätzlichen Obergeschoss.

Das Notzinger Schulgebäude mit dem Kindergarten, Eingeweiht 1956, Aufnahme aus Mitte der 1970er Jahre. Der Kindergarten wurde dann im Jahr 1982 an- und umgebaut zu weiteren Schulräumen.

In den letzten Jahrzehnten bis in die Gegenwart und auch in Zukunft ist die Bildung mit das höchste und wichtigste Gut in unserem Land und die einzige Möglichkeit als Staat und seiner Industrie ohne nennenswerte Bodenschätze weltweit bestehen zu können.
Dem Gemeinderat und der CDU Fraktion ist es immer ein großes Anliegen die Infrastruktur unserer Schule und den Kindergärten auf höchstem Niveau zu erhalten und ggf. auszubauen bzw. anzupassen an neue Notwendigkeiten.
In der Vergangenheit waren oft die unzureichenden Räumlichkeiten ein Problem. Heute ist die Gefahr, dass zu wenig Kinder da sind, um die Grundschule bzw. die Anzahl des Lehrpersonals sicher erhalten zu können. Grund sind nicht nur die sinkenden Geburtenzahlen sondern auch, dass einige Kinder private Grundschulen besuchen und damit die Schülerzahlen für die örtliche Grundschule weiter reduzieren.

Bis zur heutigen Zeit ist das Schulwesen ist stetiger Bewegung und passt sich den gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten ständig an. Der Chronist und langjährige Lehrer in Notzingen, Siegfried Bader, schrieb im Frühjahr 1977 „...In Wirklichkeit pulsiert das schulische Leben in unserer reformfreudigen Zeit und bewegten Welt täglich munter weiter.“ Dem ist nichts zuzufügen. Hoffen wir, dass der Schulbetrieb sich durch die Corona-Pause bald wieder normalisiert. Die Kinder freuen sich sicher, Ihre Lehrer und Lehrerinnen wie auch die Mitschüler wieder zu sehen. „Eigentlich macht die Schule doch Freude“ werden manche Kinder sagen oder wenigstens denken. Wenn das auch eine Erkenntnis aus der Corona-Zeit bleibt,dann hatte es doch auch positive Momente.
Bleiben Sie gesund.

Quellen: Notzinger Heimatbuch, Texte von Siegfried Bader, Sammlung Ursula Eberbach, Sammlung Alfred Bidlingmaier

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