Am 8.Mai jährt sich zum 75.mal die Beendigung des 2.Weltkrieges und der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. In Notzingen und Wellingen war mit dem Einmarsch der Amerikaner bereits am 20.April 1945 der Krieg vorbei.

Ende April 1945 – vor nun genau 75 Jahren wurde unsere engere Heimat noch Kriegsschauplatz und es wurde das Kriegsende erlebt.
Schon Wochen vorher war das ganze Dorf aufgeregt denn man erwartete den Feind in absehbarer Zeit. Die Läden im Dorf wurden gestürmt um noch die letzten Waren einzukaufen. Auch Stoffe, die auf dem Rathaus aufbewahrt waren, wurden unentgeltlich an die Bevölkerung verteilt. Zu Hause wurde alles in Sicherheit gebracht, auch vergraben und anderweitig versteckt.
Das Kriegsende erwartete man schon ab Anfang April 1945. Ab Mitte April fuhren ständig deutsche Truppen durch Notzingen in Richtung Albrand. Es war ein trostloser Anblick die müden Truppen mit Lastwagen und Pferdegespannen fahren zu sehen. Dabei wurde das Kind Martha Bauer in der Hochdorfer Straße von deutschen Soldaten angefahren und es verlor dabei ein Bein.
Tieffliegerangriffe, Dröhnen von Artilleriegeschützen und die Sprengung eines Munitionslagers im Schlierbacher Wald kündeten den Bewohnern an, daß der Feind nicht mehr weit sein konnte. Am 19.April kam die Nachricht auf, daß die Amerikaner im Filstal seien und Göppingen eingenommen haben.Die Front kam deutlich näher und alliierte Jagdbomber schossen auf alles was sich bewegte.
Am Morgen des 20.April – im Radio waren Durchhalteparolen und Reden zu Hitlers Geburtstag zu hören – hörte man aus Richtung Göppingen Gefechtslärm. Nachmittags erreichten die ersten Panzerspitzen der Amerikaner aus Roßwälder und Schlierbacher Richtung über den Köhler und das Himmelreich die Wellinger und Notzinger Gemarkung. Es kam zu Rückzugsgefechten mit den deutschen Truppen und die Wellinger Wasserpumpstation am Köhlerbach wurde dabei zusammengeschossen. In der nördlich gelegenen Eichhalde (Sportplatz) fuhren die amerikanischen Panzer in Stellung und beschossen zurückflutende deutsche Kolonnen und den Wald des Hohenreisach in dem Glauben, dort lagen deutsche Truppen.
Die Amerikanischen Panzer fuhren dann gegen 16.00 Uhr in Notzingen ein. Die Franzosen kamen neckaraufwärts und blieben zwischen Freitagshof und Notzingen, im Bereich des heutigen Kreisverkehrs,stehen. An allen Häusern waren weiße Fahnen gehisst. Aus Wellingen heraus soll geschossen worden sein, deshalb wurde der Ort mit Panzern beschossen. Das Haus Boßler in der heutigen Rechbergstraße geriet dadurch in Brand und brannte fast vollständig aus. Beim Nachbarhaus ist der Dachstock ausgebrannt.
Im Waldteil Köhler hatten sich rund 300 deutsche Soldaten verschanzt. Nachdem zwischen der Brandstelle und den deutschen Soldaten amerikanische Truppen mit Fahrzeugen und Panzern in den Ort einmarschierten, waren die Löschmannschaften sehr eingeschüchtert. Trotzdem ließen sich viele Mitbürger nicht davon abhalten, die Löschmaßnahmen der Feuerwehr zu unterstützen. Durch aufopfernde Weise der Feuerwehr Wellingen und der Bevölkerung konnte einiges gerettet werden.
Weitere Zerstörungen waren weder in Notzingen oder in Wellingen zu verzeichnen. Als das Dorf als feindfrei festgestellt worden war, fuhren die Panzer über die Hermann- und Bergstraße nach Kirchheim. Etwa acht Tage lagen noch amerikanische Truppen im Quartier im Dorf. In den Tagen nach dem 20.April wurden die umliegenden Wälder von amerikanischen Soldaten nach versprengten deutschen Soldaten durchgekämmt. Es kam dabei noch zu kleineren Schießereien und drei deutsche Soldaten starben noch den„Heldentod“. Sie wurden beim ehemaligen Naturfreundehaus (am Müllerweg) bestattet.

Steinkreuze an dem kleinen Gedenkfriedhof unterhalb des ehemaligen Naturfreundehaus am Müllerweg.

So endete mit dem Einmarsch am 20.April 1945 für unsere Gemeinde der 2.Weltkrieg und die zwölfjährige Nationalsozialistische Herrschaft mit Ihrem Unrechtsystem.
Was sonst noch in diesen Tagen und Wochen des Kriegsende 1945 in Notzingen und Wellingen geschah können Sie nächste Woche lesen.

Quellen: Notzinger Heimatbuch, Buch der Feuerwehr Notzingen, Beiträge zur Heimatkunde des Teckboten, Sammlung Ursula Eberbach, Sammlung Alfred Bidlingmaier

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