Wer seine Zukunft sucht sollte seine Vergangenheit kennen - Dies gilt auch hier.

In nächsten Wochen beginnen die Arbeiten an der Straßenrenovierung der Landesstraße L 1201. Beginnen werden die Arbeiten in der Kirchheimer Straße und nach Fertigstellung erfolgt die Fortsetzung des 2.Abschnittes in der Hochdorfer Straße.

Diese Arbeiten wurden aufgrund der schlechten Straßenbelag seit Jahren gefordert und sind deshalb langersehnt. Dies gibt uns die Gelegenheit in die Geschichte dieser Straße zu Blicken. „Denn wer seine Zukunft sucht, sollte seine Vergangenheit kennen“ ist eines der Mottos des CDU-Gemeindeverbandes Notzingen. Heute der erste Teil über den Bereich in Richtung Kirchheim.

Die Straßen waren früher nur mit Kalkschotter belegt. In heimischen Steinbrüchen, z.B. im Wellinger Schleichinger, wurden Steinbrocken von Hand geschlagen und dann vor Ort auf den Straßen zu Schotter klein geklopft. Die Straßen waren dann entweder lehmig oder bei Trockenheit staubig. Jedoch steht in der Oberamtsbeschreibung von 1842, daß von Kirchheim nach Notzingen „...eine vortreffliche Straße führt.“ Aus heutiger Sicht, und auch aus der Sicht seit Beginn der Motorisierung vor 100 Jahren, war die Steige über den Hohenreisach nach Kirchheim sehr steil und eng. Ein Gegenverkehr war fast nicht möglich. Die Omnibuse des ÖPNV, wie auch alle Lastwagen, sind deshalb auch nicht über den Hohenreisach gefahren sondern immer über die Plochinger Steige und über die Landstraße in Richtung Freitagshof und weiter über die unfallträchtige Abzweigung (heutige Kreisverkehr) nach Notzingen.
Die Notzinger Ortsdurchfahrt in Richtung Kirchheim war ebenfalls sehr eng und es herrschte schlechte Sicht weil einige Häuser weit in die Straße standen.

Ein Schäfer auf der damaligen Plochinger Steige um 1840 mit Blick auf die damalige Oberamtsstadt Kirchheim unter Teck. Diese steile Straße ist heute als Fuß und Radweg unter der Bezeichnung „Alte Plochinger Steige“ immer noch vorhanden und bietet im oberen Übergang in das Wohngebiet „Im Münzen“ einen ähnlichen Ausblick.Die heutige Plochinger Steige wurde um 1860 einige Meter hangabwärts in flacherer Form erstellt. Bild: Nach der Natur gez.und lith. von Wölffle, Verlag v. Th. Caelius in Urach,

In den 1960er Jahren war der Ausbau der Kreisstraße(heute Landstraße L 1201) in Vorbereitung. Das Land, der Kreis und die Gemeinde teilten sich die Kosten.
Um eine gute Straßenführung zu erhalten, wurden 1971 mit Beteiligung des Landkreises die Gebäude Kirchheimer Straße 30 (Schnerring) und Kirchheimer Str. 32 (Paul Eppinger) erworben und abgerissen.
In diesem Zusammenhang war es ebenfalls notwendig , die Wasserleitung vom Hochbehälter Hohes Reisach zum Ort auszuwechseln und zugleich eine größere Nennweite (200 mm, seither 125 mm) einzulegen. Im Jahr 1991 war eine Renovierung dieser Wasserleitung notwendig.
Im Jahre 1972/73 wurde der innerörtliche Straßenausbau durchgeführt, für den die Gemeinde für Gehwege, Stützmauern und Wasserleitungs-Erneuerung finanziell zuständig war. Hierbei wurden auch die ursprünglichen Kanalisation-Leitungen aus den Jahren 1958/59 auf einen aktuellen Stand ausgewechselt.

Am Hohenreisach wurde 1975 die Bergkuppe um ca. 5 Meter abgegraben und der Bereich in Richtung Notzingen aufgefüllt. Der Bereich war früher fast schon ein Hohlweg. Mit diesen Baumaßnahmen konnte die Straßenführung um einiges flacher gestaltet werden. Die heutige Fußgänger-Brücke zeigt die frühere Höhe des Straßenverlaufes. Die Steige nach Kirchheim bekam eine völlig neue Straßenführung. Der heutige Radweg ab dem Wasserturm bis zur Notzinger Straße /Alter Friedhof in Kirchheim war die frühere Straßenführung. Durch das Herdfeld ging es dann in die Innenstadt.

Der Bergrücken des Hohenreisach wurde in Richtung Kirchheim für eine flachere Straßenführung um rund fünf Meter eingeschnitten. Die Fußgängerbrücke deutet die Höhe des früheren Straßenverlaufes an.

Gegenüber der Kirche wurde die frühere Gemeindewaage und das Waagen-Häuschen abgebrochen um an diesem Platz eine Bushaltebucht mit Unterstand einzurichten. Seit dem Jahr 1976 fährt der ÖPNV nun über den Hohenreisach und nicht mehr über die Plochinger Steige.

Besonders positiv war die Erbauung eines Rad und Fußweges nach Kirchheim. Dadurch war erstmalig eine ungefährliche Rad- und Fußverbindung nach Kirchheim möglich.
Die Wege über die Auerbacher Steige, die Treppen über den Würstlesberg oder das Waldheimwegle sind doch beschwerlicher.

Vom Standpunkt des Fotografen bis in den Ort hinein wurde die frühere Straßenführung egalisiert und teilweise aufgefüllt um eine moderate und gleichmäßige Straßen- und Fußgängerbereich zu erhalten.

Insbesondere die Beleuchtung des Rad- und Fußweges war eine angenehme und sichere Verbesserung. Daß dieses Licht im Jahr 2004 wieder abgeschaltet werden sollte und die Stadt Kirchheim die Lampen abbaut war unvorstellbar ist aber dann doch geschehen. Neben Unverständnis gab es dann im November 2004 Proteste von Schülern und Eltern mit Kerzen- und Laternenlicht gegen die Dunkelheit.
Im September 2011 wurde dann eine Öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen den Verwaltungen von Kirchheim und Notzingen getroffen. Diese erlaubt es 12 LED-Leuchten zu errichten. Baukosten wurden geteilt und die Kosten der laufenden Unterhaltung und der Stromkosten hat Notzingen komplett zu übernehmen. Einsprüche des NABU sorgten aber für ein ausschalten der Beleuchtung kurz nach Einbruch der Dunkelheit. Erst nach langandauerndem Drängen und Verhandeln durch ein Mitglied der CDU-Fraktion Notzingen ist es gelungen, daß seit dem 29.11.2016 die Lampen wieder länger brennen.
Dieses jahrelange Thema und die Hintergründe werden sicher zu späterer Zeit ein eigener Bericht wert sein.

Nächste Woche berichten wir über den damaligen Straßenausbau in Richtung Hochdorf.
In den Jahren 1976 und 1977 wurde hier die Straße ebenfalls grundsätzlich geändert und neu trassiert. Sind Sie gespannt.

Quellen: Notzinger Heimatbuch, Texte von Siegfried Bader, Teckbote, Sammlung Ursula Eberbach, Sammlung Alfred Bidlingmaier

« Die Schule in Notzingen und Ihre Entwicklung - Teil 2 Die Landesstraße durch Notzingen und Ihre Entwicklung - Teil 2, über die "Stellagaß" in Richtung Hochdorf »